Archiv für die Kategorie „Landseer-Tipps“
Ich schneid mir die Welt…..
Es kam völlig überraschend: ich wusste zwar, dass ich mir einen männlichen Welpen geholt habe – aber das daraus ein Rüde wird…. Potzblitz!
Mhm, was kann ich tun? Mal den Hundetrainer fragen, oder den Tierarzt…
Den Züchter? Ne, der ist voreingenommen….
Stimmt! Das Deutsche TSchG ist genauso voreingenommen, denn:
das TSchG verbietet u.a. die vollständige oder teilweise Amputation von Körperteilen ohne Medizinische Indikation.. Kupieren von Ohren und Ruten ist also verboten – das sieht jeder Tierfreund ein. Wieso sehen dann Menschen eine Kastration anders? Warum schreit man „Mordio“ beim Abschneiden von Ohren und beim Abschneiden der „Glöckchen“ nicht?
Weil das so dezent auf dem OP-Tisch des Tierarztes abläuft? Die Kastration ist dadurch nicht weniger blutig….
Gebetsmühlenartig werden die Pseudovorteile einer Kastration vorgekaut:
Prävention von Tumoren – Antistress – Prostataveränderungen
Die immensen Nachteile aber unter den OP-Tisch gekehrt:
Adipositas – Fellqualitätsverlust – Harntröpfeln bis zur Inkontinenz – Trägheit oder gesteigertes Aggressionsverhalten – Knochenarthrose wegen mangelndem Epiphysen-Fugenschluss
Darum kann der Tierarzt sich aber später eingehend kümmern….
Und das Wichtigste: der Traum Erziehungsdefizite durch Schnippeln zu korrigieren platzt auch in den allermeisten Fällen. Denn Verhaltensmuster entstehen nicht durch Testosteron sondern durch inkonsequente Erziehung. Hier, an dieser Stelle, sollte Mensch seinen Hund unterstützen, der nur seinen natürlichen Reifeprozess durchlebt. Das ist allerdings aufwendiger als ein Schnitt…
Zu den opulentesten Märchen gehört auch: „Hundebegegnungen werden entspannter“…
Primär nimmt der Hund Kontakt über sein Riechorgan auf. Ein Kastrat hat kein hormonelles Gleichgewicht mehr an männlichen und weiblichen Hormonen und riecht demzufolge überaus feminin. Jedenfalls empfinden das intakte Rüden und wollen das Objekt der Begierde besteigen, was logischerweise zu ernsthaften Zwischenfällen führen kann. Bei Hündinnen ist es ähnlich.
Ist das dicke, träge Neutrum neben mir wirklich der Hund den ich ursprünglich haben wollte?
Anaplasmose – die tödliche Freundin der Borreliose
Irren ist menschlich und auch Tierärzte sind nur Menschen. So weit – so gut. Das Verständnis für unklare und fehlerhafte Diagnosen hört bei mir aber genau dort auf wo das Leben einer Landseerfreundin gefährdet wird.
Schon vor zwei Jahren hörten wir von einem unserer Landseerrüden mit völlig unspezifischen Krankheitsymptomen: Teilnahmslosigkeit, Fressunlust, Durchfall, an einen Tag gut – am nächsten wieder schlecht… auf und ab… und wieder zurück. Der Rüde verfiel zusehends bis eine kompetente Tierärztin den entsprechenden Bluttest verordnete und rasch die Diagnose “Anaplasmose” stellte. Dem Rüden wurde über einen Zeitraum von vier Wochen ein spezielles Antibiotika verabreicht und er ist seitdem beschwerdefrei.
Die Erkrankung Anaplasmose wird durch den Biss des Gemeinen Holzbockes übertragen, eine Zeckenart die in Deutschland häufig vorkommt. Die durch den Zeckenbiss übertragenen Bakterien gelangen in die Blutbahn und setzten sich an Gefäßen und Organen ab. Das Bakterium befällt die weißen Blutkörperchen und zerstört diese.
Symptome zeigen sich in: Fieber, Gewichtsverlust, Erbrechen, Atembeschwerden, Husten und/oder Nasenausfluß, Gelenkschwellungen, Urinverlust, eingeschränkte Nierentätigkeit, Lebervergrößerung und/oder Herzauffälligkeiten bis hin zu neurologischen Symptomen wenn das Bakterium die Hirnhäute befallen hat. Auch Depression und Teilnahmslosigkeit sind auffällig für die Anaplasmose.
Unbehandelt verläuft diese Infektion tödlich! Eine antibiotische Behandlung durch Tetracycline -über vier Wochen- ist erfolgversprechend.
Der Nachweis der Erkrankung muss durch einen sogenannten Antikörpertiter erfolgen, d.h. das Blut wird auf positiv nachgewiesene Antikörper untersucht. Diese Blutuntersuchung muss durch ein Labor durchgeführt werden.
Bitte bestehen Sie bei Ihrem Tierarzt immer auch auf eine Blutuntersuchung auf Anaplasmose, wenn Beschwerden unklarer Genese auftreten und zwar bevor irgend ein verabreichtes Antibiotika die Blutwerte verwässert.
Da die Erkrankung schnell und dramatisch verlaufen kann, bleibt für Diagnosen in Kristallkugelform kein Spielraum.
Also: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Gerade für die Gesundheit Ihres Landseer.
Landseer und Hundeschule
Wenn der frischgebackene Landseerwelpenbesitzer – hochmotiviert und teambereit – zur ersten Welpenspielstunde auf den Hundeplatz kommt stellt er eines als erstes fest: das Wort “Dimension” bekommt eine neue Bedeutung. War sein Welpe neben seinen Geschwistern noch völlig unauffällig – zwischen Labrador & Co-Welpen oder beliebten Terrierarten wirkt sein Welpe jetzt so… übergroß… Tapfer werden die verschreckten Blicke der Kleinhundewelpenbesitzer ignoriert.. “Was ist das denn für Einer?” fragt die Dame mit dem Labrador. “Das ist ein Bernhardiner” erklärt der lodengrün bekleidete Jagdhundwelpenhalter. Während der Landseerwelpenbesitzer noch an der richtigstellenden Antwort feilt, ertönt der Trainerruf: “Ableinen – Spielen lassen” Gut, stellen wir das später richtig. Während die ersten Welpen über den Platz fegen – sitz der Landseerwelpe so richtig gemütlich – neben seinem Futterspender. Schaut sich das Welpenspektakel an, steht auf und begrüßt zunächst mal die Menschen seiner Umgebung. Er ist halt auf Etikette geprägt. Dann hat seine Nase einen Geruch aufgenommen…unglaublich gut….ein Welpenbesitzer verteilt händevoll Leckerchen. Der Landseerwelpe wäre kein Landseer wenn er sich diese Chance entgehen ließe. Der Landseerwelpenbesitzer wird wach. “Nein. Pfui. Aus” Chancenlos ist nun auch eine neue Erfahrung für den Landseerwelpenbesitzer – gegen Leckerchen – … die es ganz umsonst gibt. “Der Bernhardiner hat geklaut” rechtfertigt der Leckerchenverteiler sein Tun.
Der Landseerwelpe sieht ein, daß es hier nichts mehr zu holen gibt und möchte sich derweil mit dem Schäferhundwelpen anfreunden. Der Schäferhund beißt sich im Nacken des Landseer fest, dem das so gar keinen Spaß macht, den Schäferhund gekonnt schultert und sich draufsetzt. Der brüllt nun wie am Spieß und Schäferherrchen kommt gerannt. “Der Bernhardiner ist dominant” weiß er fachmännisch zu berichten. Dem Domino ist das komplett egal – er weiß wer angefangen hat.
Nun sollen die ersten Übungen “Sitz” und “Platz” absolviert werden. Hier ist nun der Landseerwelpenbesitzer ganz klar im Vorteil. Während die anderen Welpen mental noch spielen – sitzt der Landseer… wie eine Eins. Dafür gibt es Lob und Leckerchen. Stolz blickt der Landseerwelpenbesitzer in die Runde. “Der Bernhardiner hört aber schon gut” lobt ihn die Dame deren Labrador sich ihrer Aufmerksamkeit ganz und gar entzieht und partout nicht sitzen will. So wie die überwiegende Mehrheit der Welpen … bis auf den Landseer – der sitzt…. Jetzt ruft der Trainer: ” aus dem “Sitz” ein Leckerchen vor die Nase – nach unten halten – mit der Anweisung “Platz”.
Da ist SIE – die Königsdiziplin. Es gibt wohl kaum eine Übung die ein Landseer so gerne ausführt wie “”Platz”. Damit kann der Landseerwelpenbesitzer richtig glänzen! Nicht nur das – er wird jetzt vom Hundetrainer geadelt ” Nehmt Euch ein Beispiel an dem Bernhardiner – oder was war es nochmal?”
Selbst das kann das Glücksgefühl des Landseerwelpenbesitzer nicht mehr erschüttern… “Landseer – er ist ein Landseer” flüstert er seinem weißen Wonneproppen zu….

